[BLOGTOUR TAG 2] INTERVIEW ZUM MORDFALL ENGELSGLEICH




»Engelsgleich« ist der vierte Fall von Kriminalhauptkommissar Paul Kalkbrenner: Auf einem Fabrikgelände in Berlin wurde der verstümmelte Leichnam einer jungen Frau entdeckt. Unweit davon befinden sich stinkende Kloakebecken. Fassungslos müssen Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth zusehen, wie eine Leiche nach der anderen aus den Gruben geholt werden. Ist unter ihnen auch die verschwundene Merle, die von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge verzweifelt gesucht wird?

Während seiner Ermittlungen kreuzt Kalkbrenner die Wege von Markus Kühn. Der vertickt Drogen an der deutsch-tschechischen Grenze. Was niemand weiß: In Wahrheit arbeitet er als verdeckter Ermittler.

Nun durfte ich mich mit Kommissar Kalkbrenner und Markus Kühn unterhalten.




 

Paul Kalkbrenner, illustriert von Timo Kümmel

Guten Morgen Herr Hauptkommissar Paul Kalkbrenner, können Sie uns erzählen, warum Sie sich dazu entschieden haben, Polizist zu werden?

Paul Kalkbrenner: (lacht) Wenn ich das bloß wüsste. Denn eigentlich begann mein beruflicher Werdegang mit einer Ausbildung zum Steuerfachgehilfen. Warum ich mich danach für ein Studium an der Fachhochschule der Polizei entschieden habe? Ich glaube, das hat viel mit dem Berlin zu tun, in dem ich aufgewachsen bin – damals noch eine geteilte Stadt –, und meinem Bedürfnis nach Sicherheit und Ordnung. 

So kam eins zum anderen, die Bereitschaftspolizei, das Fachkommissariat für Beschaffungskriminalität, Rauschgibt und Raubdelikte, bevor ich ins Morddezernat wechselte. Ich möchte nicht behaupten, dass mir die Entscheidung leicht gefallen ist, und sie hat mich einiges gekostet, nicht zuletzt meine Ehe. Meine Ex-Frau nannte es immer mein »Gerechtigkeitsgen«. Ich habe eine Verantwortung übernommen, und der muss ich mich stellen, ich kann nicht anders.





Markus Kühn, illustriert von Timo Kümmel

 

 

Und Sie, Herr Kühn, was hat Sie dazu veranlasst, verdeckter Ermittler zu werden?


Markus Kühn: Bei mir lief als Jugendlicher vieles schief. Zum Glück gab es Menschen, die mich aus dem Sumpf rausgeholt haben. Allerdings war dies an einige Bedingungen geknüpft. Wenn Sie so wollen – ich hatte keine andere Wahl.



 

 

 

Herr Hauptkommissar Kalkbrenner, was war ihr bisher härtester Fall?

Paul Kalkbrenner: Im Prinzip ist jeder Fall hart, denn Sie müssen bedenken: Es geht um Mord. Es gibt Hinterbliebene, die trauern. Es fällt mir jedes Mal aufs Neue schwer, Ihnen gegenüber zu treten und Ihnen die traurige Nachricht zu überbringen.


Natürlich gibt es immer wieder Fälle, die mir nahe gehen. Ich erinnere mich an die Ereignisse in »Gier«, diese Verquickung von Beruf und Privatleben, das hat mich sehr lange beschäftigt. Aber »Engelsgleich« ist mit Abstand das Widerlichste, was mir je untergekommen ist. Sowas möchte ich nicht noch einmal erleben.



Herr Kühn, Ihre Arbeit als verdeckter Ermittler ist sehr gefährlich. Sind Sie in Vergangenheit schon einmal aufgeflogen, oder ging bisher immer alles gut?

Markus Kühn: Es ging alles gut, bis ich ... Na ja, bis ich in »Engelsgleich« Herrn Kalkbrenner und seiner Kollegin Sera Muth begegnet bin. Ich kenne Sera noch von früher. Sie weiß um meine Vorgeschichte. Das hätte mich fast den Kopf gekostet. Nicht schön.



Herr Hauptkommissar Kalkbrenner, Sie sehen die dunkelste Seite von Berlin tagtäglich. Mit welchen Augen sehen Sie die Stadt jetzt, nach so vielen Jahren Polizeidienst?

Paul Kalkbrenner: Es ist eine ... Hassliebe. Ja, ich glaube, das trifft es gut auf den Punkt. Ich bin in Berlin geboren, aufgewachsen, habe den Großteil meines Lebens hier verbracht. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, woanders zu leben. Aber ich sehe, wie die Stadt sich die letzten Jahre verändert hat, und das nicht immer zum Guten.


Markus Kühn: Mhm ...



Wie hoch ist die Kriminalitätsrate in Berlin und wo liegt der Fokus (Einbrüche, Diebstahl, Drogen?)

Paul Kalkbrenner: Es ist noch gar nicth lange her, dass der Berliner Innensenator und der Polizeipräsident die Polizeiliche Kriminaltätsstatistik für das Jahr 2014 vorgestellt haben. Und es stimmt, die Zahl der Rohheitsdelikte hat den niedrigsten Stand seit 1996 erreicht. Allerdings, das möchte ich nicht unter den Tisch fallen lassen: Die Zahl der Gewalttaten mag abgenommen haben. Aber die Gewalttaten, die es gibt, werden leider immer brutaler.

Was dagegen zugenommen hat, sind die Fälle von Taschen- und Fahrraddiebstahl; auch die Wohnungseinbrüche nehmen zu. Aber das ist eine andere Abteilung, dazu kann ich als Mordermittler nur wenig sagen.



Wie oft kommen Sie mit organisiertem Verbrechen in Kontakt?

Paul Kalkbrenner: Berlin ist die Drehscheibe für den Menschen- und Drogenhandel aus Osteuropa. Zwangsläufig kriegt man es mit dem organisierten Verbrechen zu tun. Das beste Beispiel haben Sie ja in »Engelsgleich« erlebt.



Herr Hauptkommissar Kalkbrenner und Herr Kühn, Sie machen sich wahrscheinlich im Job viele Feinde. Haben Sie keine Angst um Ihre Familien?

Markus Kühn: (schweigt)
Paul Kalkbrenner: (senkt seine Stimme) Vielleicht sollten wir die Frage besser überspringen ...



Herr Hauptkommissar Kalkbrenner, vor ein paar Tagen haben Sie mehrere Kinderleichen bei einer alten Fabrik gefunden. Wie gehen Sie in einem Fall wie diesem vor?

Paul Kalkbrenner: Zeugen werden gesucht und befragt. Wer hat was gesehen? Wurden der oder die Täter vielleicht beim Entsorgen der Leichen beobachtet? Gleichzeitig untersucht die Spurensicherung den Fundort der Leichen? Ist er zugleich auch der Tatort? Gibt es Hinweise, die auf den oder die Täter hinweisen? Auch in der Gerichtsmedizin, die die Obduktionen vornimmt, wird nach solcheN Spuren gesucht.

Ganz wichtig auch: Die Identität der Leichen muss geklärt werden. Möglicherweise gibt das schon Aufschluß über den oder die Täter. In diesem Fall hatten wir allerdings ein großes Problem ...



Was sagen Sie zu dem Vorwurf einer Mutter, sie nicht ernst genommen zu haben, als ihre Pflegetochter verschwand?

Paul Kalkbrenner: Ich kann die Mutter verstehen. Jede Mutter, die ihr Kind vermisst, ist verzweifelt und möchte Menschenmögliches unternehmen – und verlangt dies auch von den Polizeibeamten. Aber es gibt natürlich Vorgaben, an die sich meine Kollegen, die die Vermisstmeldung aufnehmen, halten müssen. Was nicht bedeutet, das betone ich, dass Sie nicht auch alles Menschenmögliche unternehmen.



Herr Kühn, wie haben Sie sich auf ihren aktuellen Fall in der Drogenszene vorbereitet?

Markus Kühn: Gar nicht. Wie ich schon sagte: Bei mir ist einiges schiefgelaufen. Ich kenne die Szene.



Was waren Ihre ersten Schritte bei Ihrem aktuellen Fall?

Markus Kühn: Ich musste einige Kontakte aufwärmen. Das war's.



Um verdeckt arbeiten zu können, müssen Sie beweisen dazuzugehören. Wie sind Kollateralschäden mit Ihren Moralvorstellungen vereinbar?

Markus Kühn: Was wollen Sie hören? Dass Ihre Sicherheit, in der Sie täglich leben, ihren Preis hat? Ich mache das, was notwendig ist.



Herr Hauptkommissar Kalkbrenner, Herr Kühn, wann gab es die ersten Hinweise darauf, dass Ihre Fälle Verbindungen zueinander aufweisen?

Markus Kühn: Mir wäre lieber gewesen, es hätte keine Verbindungen gegeben.

Paul Kalkbrenner: (nickt) Es war ein Zufall, dass wir uns über den Weg gelaufen sind. Wären ich und meine Kollegin, Frau Muth, nur zehn Minuten später vor dem Bordell an der tschechischen Grenze vorgefahren, hätten wir Herrn Kühn dort vermutlich gar nicht angetroffen. So aber kreuzten sich unsere Wege ... 

Markus Kühn: Mhm. 

Paul Kalkbrenner: ... und Dinge geschahen, die ... die mir unendlich leid tun. 

Markus Kühn: (schweigt) 


Vielen Dank für das Interview! 

Mehr über "Engelsgleich erfahrt ihr in meiner Rezension *klick*
 



Natürlich gibt es auch was zu gewinnen




- ein Bücherpaket (Mädchenwiese, Drecksspiel, Engelsgleich signiert,
  sowie die drei Kalkbrenner-Romane Wut, Gier, Trieb als ePub)
- dreimal Engelsgleich signiert
- je einmal Drecksspiel und Mädchenwiese 
 
Doppelte Gewinne werden ausgeschlossen. Die Gewinner werden voraussichtlich ab dem 17.08. auf der Webseite des Autors bekannt
gegeben und per E-Mail benachrichtigt. Um in den Lostopf zu hüpfen, müsst
ihr den richtigen Lösungssatz erraten. Auf jedem Blog gilt es eine Frage zu beantworten. Den Lösungssatz schickt ihr per E-Mail an info@martin-krist.de

Für das zweite Wort müsst ihr folgenden Satz vervollständigen:
Wenn dein Gewissen rein bleiben soll, ___ du es nicht benutzen (Bismarck)

Eines dieser Wörter ist das Lösungswort: wolltest / darfst / musstest
 




Tourdaten



10.08. Spoilerfreie Rezension von Engelsgleich als Einstieg in die Tour bei Karins Kindle

11.08. Interview mit Kommissar Kalkbrenner hier bei mir :-)

12.08. Vor Ort in Berlin mit Martin Krist und Kielfeder

13.08. LGBTIA bei Books & Pride

14.08. Vermisste Kinder in Deutschland bei Ein Anfang und kein Ende

15.08. Videogruß von Martin Krist & seine Buchtipps für euch bei Literaturschock


ca. 17.08. Auslosung und Bekanntgabe der Gewinner auf der Webseite des Autors.



Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    interessante Einblicke , in Story und Personen. Lösungswort notiert.

    LG..Karin...

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  2. Hallo Nadine!
    Vielen Dank für das tolle Interview. Ich habe das Lösungswort auch notiert. ;)

    Liebe Grüße,
    Leelou

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  3. Wow, die Illustrationen sind ja der Wahnsinn!!

    Überhaupt hatte ich mich auf eure Blogtour schon sehr gefreut und bin besonders auf den morgigen Beitrag sehr neugierig. Ich bleibe fleißig dran und bin gespannt, was uns noch erwartet! :) Bisher echt toll gemacht!!

    Liebe Grüße, WortGestalt

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  4. Herzlichen Dank für das Interview und die Arbeit, die dahinter steckt.

    Das Lösungswort habe ich notiert und werde Euch weiterhin folgen.

    Viele Grüße
    Babsi

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  5. Aufschlussreiches Interview, vielen Dank dafür. :)

    LG Claudia

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  6. Hallo ,

    Sehr interessanter Interview :) Vielen Dank :)
    Ich habe Lösungswort notiert .

    Liebe Grüße Margareta

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