REZENSION "ENGELSGLEICH" VON MARTIN KRIST





Autor:            Martin Krist
Titel:Engelsgleich
Format:Taschenbuch
Seiten:592
Genre:Thriller
Verlag:Ullstein
ISBN:978-3548286396
Preis: 9,99 € (eBook 8,99 €)



Inhalt:


Ein verschwundenes Mädchen. Eine verzweifelte Mutter. Eine grauenhafte Entdeckung.
 
In Berlin wird Hauptkommissar Paul Kalkbrenner zu einem Tatort gerufen. Auf einem Fabrikgelände wurde der verstümmelte Leichnam einer jungen Frau entdeckt. Unweit davon befinden sich stinkende Kloakebecken. Fassungslos müssen Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth zusehen, wie eine Leiche nach der anderen aus den Gruben geholt wird. Ist unter ihnen auch die verschwundene Merle, die von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge verzweifelt gesucht wird?



Meine Meinung zum Buch:


"Engelsgleich" von Martin Krist konnte mich von der ersten Seite an fesselt. Auf einem alten Fabriksgelände wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Kurze Zeit später werden auf dem Gelände elf weitere Leichen geborgen. Das Entsetzen ist groß, als man feststellen muss, dass es sich um die Leichen von Kindern handelt. Kinder, die anscheinend niemand vermisst. Kinder, die grausam verstümmelt wurden. Ein schrecklicher Fall, in dem Hauptkommissar Kalkbrenner nun ermitteln muss. Juliana Kluge vermisst ihre Pflegetochter Merle, die spurlos verschwunden ist. Obwohl es nicht das erste Mal wäre, dass Merle davonläuft, glaubt Juliane nicht daran. Zu sehr hat sich Merle inzwischen geändert. Doch niemand außer ihr glaubt an ein Verbrechen. Juliane macht sich alleine auf Spurensuche. Beißt sich an jedem kleinen Hinweis fest, vernachlässigt dabei ihre anderen Pflegekinder und zerstört schließlich ihre Beziehung. Juliane ist verzweifelt und kompromisslos, nichts ist wichtiger, als Merle wiederzufinden. Ich konnte mich gut mit ihr identifizieren. Was wäre, wenn wir einen Teil von uns verlieren, ein Kind, dass wir über alles lieben? Und jeder ist der Meinung, das Kind ist einfach abgehauen und lässt es sich irgendwo gutgehen? Julianes Welt bricht zusammen, als sie erkennt, dass niemand hinter ihr steht. Selbst ihre Partnerin ist die Ruhe selbst und versteht Julianes Aufregung nicht. Doch Juliane gibt nicht auf. Während ihre heile Welt mehr und mehr auseinanderbricht, bis schließlich nichts mehr davon übrig bleibt, verbeißt sich Juliane weiterhin in jedem noch so kleinen Hinweis. Anders, als alle anderen, verschließt sie ihre Augen nicht und ist bereit, die schreckliche Wahrheit herauszufinden.

Der Schreibstil von Martin Krist passt zu seinem Buch: Klar und gradlinig. Keine überflüssigen Sätze oder Wörter. Die Herangehensweise an die Geschichte ist durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge anfangs für den Leser etwas schwierig, erhöht aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase die Spannung und macht den Leser aufmerksamer. Martin Krist springt immer wieder von einem Erzählstrang zum nächsten. Auf den ersten Blick scheinen sie nichts miteinander zu tun zu haben. Erst nach und nach entknoten sich sie Wirrungen und die Zusammenhänge werden sichtbar. Der Spannungsbogen wird durch viele überraschende Wendungen und das langsame aufeinander zulaufen der Erzählstränge konstant hochgehalten. Etwas verwirrend fand ich allerdings die Tatsache, dass das Verschwinden von Merle zeitlich weit vor dem Auffinden der elf Kinderleichen liegt. Das erfährt man irgedwann recht spät nebenbei, was mich sehr irritiert hat. 

Kinderhandel, Prostitution, Drogen und Gewalt - Engelsgleich ist nichts für schwache Nerven. Besonders beängstigend ist die Tatsache, dass sich alles vor unserer Haustüre abspielt. Nichts ist sicher - deine glückliche Familie kann von einem Tag auf den anderen zerstört werden. Erkennst du das Böse, wenn du es siehst? Oder läuft das Böse jeden Tag an dir vorbei, winkt nett und sagt freundlich hallo, während es dein Kind schon ins Visier genommen hat? Das Finale des Buches ist rasant, ein Ereignis jagt das nächste. Und doch ist das Ende nicht befriedigend. Warum - weil es so verdammt realistisch ist. Weil wir der Wahrheit in Wirklichkeit nicht ins Auge sehen wollen.


Fazit:

Nichts für zarte Gemüter: Brutal, hart, kompromisslos und ehrlich verspricht "Engelsgleich" Spannung bis zur letzten Seite.



Meine Bewertung:



Cover:              4,0 Punkte
Schreibstil:4,5 Punkte
Geschichte:4,5 Punkte
Charaktere:4,0 Punkte




Gesamt:

4,5 von 5 Eulen





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